• Galerie für Gegenwartskunst
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Foto: Marc Doradzillo, 2019 / Hun Kyu Kim, Long long summer // Porco Rosso,, 2017.

Doppelausstellung: Hun Kyu Kim | Sven Johne

Big Picture: Another Universe from the Past | Lieber Wladimir Putin

Do 31.10. | 17:00 Uhr

Ausstellung: Do 12. September – So 10. November 2019

Kuratiert von Heidi Brunnschweiler

Die Doppelausstellung zeigt zwei künstlerische Positionen, die sich mit den Herausforderungen der Demokratie 30 Jahre nach dem Berliner Mauerfall befassen. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen zwischen Ende des Kalten Krieges und heute wird im Dialog mit der Geschichte nach gesellschaftlichen Zukunftsmodellen gesucht. Die beiden Einzelpräsentationen von Hun Kyu Kim und von Sven Johne befassen sich mit den Grenzen liberaler Demokratien. Was hat das Scheitern des Neoliberalismus’ mit dem Aushöhlen von demokratischen Strukturen und populistischen Bewegungen zu tun? Gibt es Alternativen? Und welche Rolle kann die Kunst dabei spielen?

Rezension Badische Zeitung: Gefolterte Tierchen (veröffentlicht am Mo, 23. September 2019 auf badische-zeitung.de)

Hun Kyu Kim im Interview | Big Picture: Another Universe From the Past | Corifea

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Rahmenprogramm:

Do 12.9. Vernissage | 19 Uhr | Foyer
19.30 Uhr Begrüßung | Foyer
20 Uhr Vortrag Hun Kyu Kim

Fr 13.9. Nocturne Freiburg | 18 – 22 Uhr
Öffentliche Führung Nocturne Fr 13.9.| 18:30 Uhr Galerie 1

Di 24.9. | 19:00 Uhr | Kammertheater
Wie der Wind sich hebt | Vortrag Dr. Till Brockmann, Filmwissenschaft (Zürich)

Führungen: So 29.9. | So 27.10. | So 10.11. |
je 16:00 Uhr | Treffpunkt Galerie 1

So 20.10. | 17:00 Uhr | Kammertheater
Fortschritt Im Tal der Ahnungslosen, Filmessay von Florian Kunert | Screening und Diskussion

Kunerts Film handelt von den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Dresden. Er zeigt ehemalige Werksarbeiter der DDR, die sich mit syrischen Flüchtlingen treffen, um Erinnerungen an ihre verlorene Heimat zu beleben.

Mi 06.11. | 19:00 Uhr | Kammertheater
Herausforderung Demokratie | Film: What is Democracy? von Astra Taylor & Diskussion
Moderation: Konstantin Rethmann (#wetalkfreiburg / Debatten-Arena)

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Galerie 1

Hun Kyu Kim arbeitet in der ästhetischen Tradition der koreanischen Seidenmalerei, die er an der Universität von Seoul gelernt hat. Die alte religiöse Technik nutzt Kim für aktuelle Themen. Kim versteht seine Bilder als Allegorien der politischen und wirtschaftlichen Situation und der Geschichte Südkoreas. Mit den komplexen Geschichten seiner imaginären Welt reflektiert der Künstler die erstaunliche Transformation Südkoreas von einem autokratischen System in eine Demokratie mit wirtschaftlichem Aufschwung. Kim geht in seinen Bildern aber auch auf die Schattenseiten der neuen Zeit ein wie übermässiger Konsum, Egoismus, Entsolidarisierung oder Korruption.

In seinen fantastischen Bildszenarien setzt sich der Künstler mit zeitgenössischen Wirtschaftslehren und alten asiatischen Mythologien auseinander. Er interpretiert die komplexen Theorien voller Fantasie und hofft mit den Bildern, vielfältige Diskussionen über den Zustand der Welt anzuregen. Seine Figuren und Erzählungen sind von der Popkultur, von Trickfilmen, Filmen oder Computerspielen inspiriert. Seine humorvollen
Fabelwesen sollen für zeitgenössische gesellschaftliche und politische Fragen sensibilisieren.

Kim zeigt z.B. in der Serie Eight Universes and The Machine, 2018, parallele Universen, die Tag und Nacht und die vier Jahreszeiten umfassen. Zahlreiche Mensch-Tierwesen symbolisieren Vertreter sozialer Schichten wie Gelehrte, Künstler und Arbeiter. Die von Kim geschaffenen Welten werden von einer riesigen Maschine, dem neoliberalen Kapitalismus, kontrolliert. Er ist in Kims Augen seit Ende der 1980er-Jahre das dominante und zunehmend durchdringende Wirtschaftssystem der heutigen Welt.

Die Geschichte Südkoreas ist für ihn eng mit der globalen Politik verbunden, sodass seine Bilder einen universellen Anspruch haben. Auf einer allgemeinen Ebene reflektieren sie die Barbarei, die sich hinter dem scheinbar harmlosen materiellen Wohlstand der heutigen Gesellschaft verbirgt. Sie zeigen kritisch, wie der Neoliberalismus in unserer heutigen Gesellschaft heimtückisch funktioniert und wie seine Subjekte unwissentlich zu ihrem eigenen Nachteil daran teilnehmen.

Die alte Technik der Seidenmalerei, die einst für Buddha-Figuren eingesetzt wurde, hat für Hun Kyu Kim eine besondere Wirkung. Sie will er aktivieren und damit die Idee der Aura neu interpretieren. Seine Gemälde wollen nicht nur den Zustand der Welt aufzeigen, sondern auch auf sie heilend einwirken. Kim ist überzeugt davon, dass seine niedlichen und unschuldigen Bilder im Geist der „Candlelight Revolution“ wirken, die 2016–17 in Südkorea stattfand. Sie gilt als die friedlichste und erfolgreichste politische Bewegung der Gegenwart, da es ihr gelang, die Demokratie in Südkorea einzurichten und die turbulente diktatorische Epoche zu überwinden.

Hun Kyu Kim ist der Ansicht, dass diese Entwicklung in Südkorea ein Entwurf für etwas Globaleres sein könnte. Sie könnte Menschen ermutigen, sich friedlich für positive Veränderungen in der Welt einzusetzen. Mit seinen Bildern will er diese Geschichte verbreiten. Seine künstlerische Praxis betrachtet er deshalb als ein Modus gewaltfreien politischen Handelns.

Hun Kyu Kim *Korea, lebt und arbeitet in London.

EN

Hun Kyu Kim | Big Picture: Another Universe from the Past
Gallery 1

Kim works in the aesthetic tradition of korean silk painting, which he learned at the Seoul National University. It’s an ancient form of religious painting. Kim uses this old technique for current topics. In his paintings he creates allegories for the current political and economic situation and the history of South Korea. His characters and stories are inspired by pop culture, cartoons, films and computer games. With his complex imaginary world he reflects the astonishing transformation of South Korea from an autocratic system to a democracy with economic prosperity, new consumer behaviour, but also corruption scandals.

For him, the history of South Korea is closely linked to global politics, so that his images have a universal claim. On a general level, Kim’s paintings reflect the barbarity behind the seemingly harmless material prosperity of today’s society. They show critically how neoliberalism functions insidiously in our society and how its subjects unwittingly participate in its functioning to their own disadvantage.

The old technique of silk painting, which was once used for Buddha figures, has a special effect on Hun Kyu Kim. He wants to activate it and thus reinterpret the idea of the aura. His paintings do not simply show conditions of the world, but want to have a healing effect on it.

Kim has created parallel universes in series Eight Universes and The Machine, 2018, which cover day and night and the four seasons. Numerous hybrid animals in each painting symbolize representatives of social classes such as scholars, artists, and workers. The worlds created by Kim are controlled by a giant machine – neoliberal capitalism – which has been the dominant and increasingly pervasive economic system of today’s world since the late 1980s.

His fantastic scenarios are inspired by contemporary economic theories and old Asian mythologies. Kim interprets the complicated theories with imagination and hopes that the images inspire discussions about the state of the world. The fairy-tale, beautiful and subtle images, which consist of hybrid human-animal beings, aim to raise awareness for contemporary social and political issues through the humorous and cheerful atmosphere of traditional silk painting.

Kim is convinced that his cute and innocent images are in the spirit of the „Candlelight Revolution“, which took place in South Korea in 2016-17. It is considered to be the most peaceful and successful political movement of the present, having succeeded in establishing democracy in South Korea and overcoming the turbulent dictatorial era.

Hun Kyu Kim believes that this development in South Korea could be a blueprint for something more global. It could encourage people to peacefully work for positive change in the world. With his pictures he wants to spread this story. He therefore regards his artistic practice as a mode of non-violent political action.

Hun Kyu Kim *Korea, lives and works in London.

Foto: Marc Doradzillo | Hun Kyu Kim, My Underground is More Beautiful Than Your Overground…(2017) pigment on silk, courtesy of the artist.

Galerie 2

Sven Johne arbeitet mit Formen des Dokumentarischen. In seinen Filmen und Fotoarbeiten befasst er sich mit realen oder fiktiven Menschen, die aus dem liberalen-kapitalistischen Wirtschaftssystem freiwillig oder gezwungenermassen ausgestiegen sind.

Anlässlich des 30. Jahrestages des Berliner Mauerfalls zeigen wir eine Auswahl von Johnes Videoarbeiten. Darin geht es um Charaktere, die ein besseres Leben als Aussteiger oder Revolutionäre suchen. Andere lassen sich aus Unzufriedenheit mit der Demokratie durch falsche Versprechen und einfache Lösungen manipulieren oder verstummen, da ihre Erfahrung nicht interessiert.

Johnes Arbeiten machen die Abgründe der post-fordistischen Gesellschaft sichtbar, die für das Erstarken der AFD oder des Rechtpopulismus günstig sind.

Sven Johne, *1976 Rügen, lebt und arbeitet in Berlin

EN

Sven Johne works with forms of the documentary. In his films and photos he deals with real or fictitious people who have voluntarily or compulsorily left the liberal-capitalist economic system.

On the occasion of the 30th anniversary of the fall of the Berlin Wall we show a selection of Johnes video works. They are about characters who seek a better life as dropouts or revolutionaries. Out of discontent with democracy, others let themselves be manipulated by false promises and simple solutions, or fall silent as their experience is of no interest.

Johne’s works make visible the abysses of post-Fordist society that are favorable to the strengthening of the AFD or right-wing populism.

Sven Johne, *1976 Rügen, lives and works in Berlin.

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Öffnungszeiten Galerie 1 & 2
Do-Fr 17-20 Uhr | Sa 14-20 Uhr | So 14-18 Uhr

Eintritt FREI
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