• Kammertheater
Foto: Theo Eshetu, The Slave Ship, 2015, courtesy of the Artist

Finissage: Nachtstücke

Werkpräsentation mit Theo Eshetu

Vortrag & Diskussion
So 25.03. | 17:00 Uhr

Nachtstücke ist der Titel von E. T. A. Hoffmanns berühmtem Erzählzyklus aus den Jahren 1816/17 mit Geschichten zu unheildrohenden und verdrängten Seiten des Lebens. In der Kunstgeschichte bezeichnet der Begriff bildliche Darstellungen nächtlicher Szenen. Nocturnes als von der Nacht inspirierte Kompositionen werden im 19. Jahrhundert kultiviert.

Die Ausstellung Nachtstücke stellt Arbeiten der Gegenwartskunst ins Zentrum, die dunkle und unterdrückte Ereignisse erkunden, die schliesslich ans Licht gekommen sind. Es geht um die künstlerische Auseinandersetzung mit kollektiver Erinnerung an Kolonialismus und militanten Nationalismus und mit traumatischen persönlichen Erfahrungen. Durch ein vielfältiges Wechselspiel zwischen Bild, Ton und Text kommt es zur Überlagerung von Geschichtsschichten, in denen sich Wissen, Emotion und Nachdenken verbinden.

Mittels Zeit, Bewegung und Licht, den grundlegenden Elementen des Videos, erschafft Theo Eshetu (Berlin) in der Arbeit The Slave Ship, 2015, ein nachdenkliches ozeanisches Epos, das an die Geschichte der Sklaverei erinnert. Der Titel verweist auf J. M. Turners gleichnamiges Gemälde von 1840 mit dem Sklavenschiff Zong im Sturm auf dem Meer. Darauf sieht man, wie der Kapitän versklavte Männer und Frauen über Bord wirft, um Versicherungsprämien zu kassieren.

Das Video wird durch ein luken- oder teleskopartiges Fenster in einem pechschwarzen Gehäuse gezeigt. Dort erscheint – durch Spiegelungen erzeugt – eine leuchtende Kugel, die dem Globus gleicht. Man sieht abgefilmte alte Seekarten, bewegte Unterwasserlandschaften und Bilder von Flussfahrten und Meeresströmungen. Sie werden zu kaleidoskopartigen Mustern verdoppelt. Der Eindruck, sich auf einer Reise in die Tiefe ozeanischer Erinnerungen zu befinden, wird durch die Tonspur verstärkt. Barocke Musik und sphärische Summklänge, die an afrikanische Gesänge erinnern, rufen Mythen aus Vergangenheit und Gegenwart wach.

Theo Eshetu spielt mit der Vorstellung von Drexciya, der Unterwasserstadt, die von afrikanischen Sklaven gegründet wurde, die auf der Durchfahrt durch die Mittlere Passage im Atlantik über Bord geworfen wurden. Auch inspirierte den Künstler die Erzählung vom Fliegenden Holländer und seinem Geisterschiff, das verdammt ist, bis in alle Ewigkeit mit einer gespenstischen Mannschaft toter Männer über das Meer segeln. Beide Referenzen deuten an, dass die Geister der ertrunkenen versklavten Männer und Frauen in den Gewässern der europäischen Häfen immer noch herumirren.

Das Filmmaterial für das Video hat Theo Eshetu in Hamburg gedreht, wo die schwedische Afrika-Gesellschaft ab 1649 mit Sklaven, Gold, Elfenbein und Zucker aus São Tomé, Westafrika, handelte. Eshetu benutzt die Metapher der Ozeane, um das historische Vermächtnis des Handels aus dem Süden in den Norden zu untersuchen. Gleichzeitig geht es ihm um die Aktualität dieses Erbes für den gegenwärtigen globalen Warenhandel und die Migration über das Meer.

Eintritt frei!

>> NEU! Sonntags 16 –17 Uhr, Führung durch die Ausstellung,
Treffpunkt Galerie I

Termine: So, 18.02., 25.02., 4.03., 11.03., 18.03., 25.03.2018


Event:
Sun 25 March 2018, 5 pm: Finissage – Artwork Presentation with Theo Eshetu (Artist Berli), Kammertheater

Nachtstücke is the title of E.T. A. Hoffmann’s famous cycle of narration from the years 1816/17 with stories about ominous and repressed sides of life. In art history, the term refers to pictorial representations of nocturnal scenes. Nocturnes as night-inspired compositions are cultivated in the 19th century. The exhibition Nachtstücke places works of contemporary art at the center that explore dark and repressed events that have finally come to light. It is about the artistic confrontation with collective memories of colonialism and militant nationalism and with traumatic personal experiences. Through a varied interplay between image, sound and text, layers of history overlap, combining knowledge, emotion and reflection.

By means of the basic elements of the video time, movement and light, Theo Eshetu creates in the work The Slave Ship, 2015, a thoughtful oceanic epic reminiscent of the history of slavery. The title refers to J. M. Turner’s painting of the same name from 1840 with the slave ship Zong in the storm on the sea. You can see how the captain throws enslaved men and women overboard to collect insurance premiums. The video is shown through a hatch or telescope window in a pitch black case. In there, created by reflections, appears a luminous sphere resembling the globe. You can see filmed old nautical charts, moving underwater landscapes and pictures of river rides and ocean currents. They are doubled to kaleidoscopic patterns. The impression of being on a journey into the depths of oceanic memories is reinforced by the soundtrack. Baroque music and spherical hymns reminiscent of African songs evoke myths of past and present.

Theo Eshetu plays with the notion of Drexciya, the underwater city founded by African slaves thrown overboard in transit through the Middle Passage in the Atlantic. Moreover, the artist is inspired by the tale of the Flying Dutchman and his ghost ship, which is damned sailing the sea for eternity with a spooky crew of dead men. Both references suggest that the spirits of drowned enslaved men and women are still wandering in the waters of European ports. Theo Eshetu shot the footage for the video in Hamburg, where from 1649 the Swedish African Society traded slaves, gold, ivory and sugar from São Tomé, West Africa. Eshetu uses the metaphor of the oceans to examine the historical legacy of trade from the south to the north. The arist is concerned with the importance of this heritage for the current global merchandise trade and migration of people across the sea today.


 

ÖFFNUNGSZEITEN GALERIE 1 & 2 Do & Fr 17 h – 20 h | Sa 14 h – 20 h | So 14 h – 18 h

Opening Hours Gallery 1 & 2 Thu & Fri 17 h – 20 h | Sat 14 h – 20 h | Sun 14 h – 18 h

Eintritt frei
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